RICS-Bericht: KI-Nutzung in Bau und Immobilien hat eine Schwelle überschritten
Laut dem RICS AI in Commercial Property and Construction Report 2026, der auf über 3.100 Antworten von Fachleuten weltweit basiert, nutzen mittlerweile zwei Drittel der Baufachleute KI in irgendeiner Form – nach etwas mehr als der Hälfte im Vorjahr. Im gewerblichen Immobiliensegment liegt der Anteil noch höher: Mehr als drei Viertel der Befragten berichten von KI-Einsatz auf irgendeiner Ebene. Der Anteil der Organisationen ohne jegliche KI-Nutzung ist seit 2025 um mehr als ein Drittel gesunken.
Die Kernbotschaft des Berichts ist jedoch ernüchternd: Die zentrale Herausforderung hat sich verschoben – nicht mehr das Experimentieren steht im Vordergrund, sondern die nachhaltige Integration in den Arbeitsalltag. Beide Sektoren laufen auf gleichem Niveau bei frühen Pilotprojekten (je 39 %), aber nur 19 % in der Bauwirtschaft haben den Schritt zur regelmäßigen Nutzung vollzogen, verglichen mit 29 % im Immobilienbereich. Datenschutz- und Sicherheitsbedenken sind laut RICS als Hürde von 22 % auf 30 % gestiegen. Für DACH-Unternehmen bedeutet das: Piloten starten reicht nicht – wer KI nicht strukturiert in Prozesse, Dateninfrastruktur und Governance einbettet, wird keinen dauerhaften Nutzen erzielen.
Procore bringt vorkonfigurierte KI-Agenten für Bauprojekte
Der Baumanagementsoftware-Anbieter Procore Technologies hat Ende Juli drei sogenannte „Digital Coworker"-Pakete angekündigt, die eine Bibliothek von rund 20 vordefinierten KI-Agenten umfassen. Das Einstiegspaket enthält nach Herstellerangaben Agenten für Aufgaben wie Submittal-Prüfung, RFI-Bearbeitung, Tagesberichte und Vertragsanalyse. Eine neue Funktion namens „Skills", die im August ausrollt, soll es Unternehmen ermöglichen, eigene Prozessstandards und Arbeitsweisen in die Agenten einzucodieren.
Nach Herstellerangaben konnte das US-amerikanische Design-Build-Unternehmen Haskell die Bearbeitungszeit für Submittal-Reviews durch den KI-Einsatz von sieben Tagen auf rund zehn Minuten verkürzen. Solche Zahlen sind unternehmenseigene Benchmarks und sollten mit Vorbehalt betrachtet werden. Relevant für DACH-Unternehmen ist dennoch der Trend: Standardisierte KI-Agentenpakete für administrative Bauprozesse sind jetzt am Markt. Wer Procore nutzt, sollte prüfen, welche Agenten sich tatsächlich in bestehende Workflows integrieren lassen – und welche internen Freigabe- und Prüfprozesse dafür nötig sind.
Autonome Bagger auf realen Baustellen: Bedrock Robotics meldet ersten Vollbetrieb
Am 17. August 2026 meldete das US-Startup Bedrock Robotics, dass seine autonomen Bagger erstmals auf aktiven Kundenbaustellen ohne Bedienpersonal im Einsatz sind. Konkrete Einsatzorte sind laut Unternehmensangaben ein Wasseraufbereitungswerk in Nevada sowie ein Erdarbeiten-Großprojekt von 1,2 Millionen Kubikyards in Texas. Das System wird per Nachrüstsatz auf bestehende Bagger montiert und kann nach Einrichtung durch einen Bauleiter selbstständig ausheben. Das Unternehmen wurde 2024 von ehemaligen Waymo-Ingenieurinnen und -Ingenieuren gegründet und hat bislang nach eigenen Angaben mehr als 350 Millionen US-Dollar eingesammelt.
Für die DACH-Branche ist dieser Schritt zunächst ein Signal, kein unmittelbar anwendbares Produkt. Die Technologie ist bisher ausschließlich in den USA im Einsatz, und regulatorische Anforderungen sowie unterschiedliche Baustellenbedingungen in Europa erfordern eigene Bewertungen. Der Fachkräftemangel ist jedoch auch hier ein reales Problem – entsprechende Entwicklungen sollten deshalb weiter verfolgt werden.
EU AI Act: Transparenzpflichten greifen – Handlungsbedarf für Immobilienunternehmen
Seit dem 2. August 2026 gelten nach dem EU AI Act Transparenzpflichten für bestimmte KI-Systeme und KI-generierte Inhalte, die auch die Bau- und Immobilienbranche direkt betreffen. Konkret müssen Inhalte, die durch KI so verändert wurden, dass ein falscher Eindruck entstehen könnte – etwa digital möblierte oder renovierte Immobilienfotos –, als solche gekennzeichnet werden. Darüber hinaus unterliegen KI-Systeme, die über Kreditwürdigkeit oder Personalentscheidungen mitbestimmen, als Hochrisikoanwendungen strengeren Anforderungen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet das konkreten Handlungsbedarf: bestehende KI-gestützte Anwendungen inventarisieren, Risikokategorien zuordnen und Kommunikationswege absichern. Wer KI in Vermarktung, Personalwesen oder Bonitätsprüfung einsetzt, sollte die eigene Compliance-Situation zeitnah prüfen – idealerweise mit rechtlicher Begleitung.